Pflanzliche Reisen durch Japan

Verhaltensregeln Japan: 10 Tipps für Tempel und Schreine

Verhaltensregeln Japan: Das klingt nach einem dicken Regelbuch, in dem du nur Fehler machen kannst. In Wahrheit sind es ein paar Gesten, die du nach dem dritten Tempel im Schlaf beherrschst. Vor unserer ersten Reise habe ich viel darüber gelesen, wie man sich im Tempel und im Schrein verhält. Falsch gemacht habe ich am Anfang trotzdem einiges.

Wie viele Tempel und Schreine ich seitdem besucht habe, weiß ich nicht mehr. Darunter waren die vollsten Sehenswürdigkeiten Tokios, aber auch winzige Schreine auf Berggipfeln, bei denen ich mich gefragt habe, wer das Holz da hochgetragen hat. Das hier ist mein kleiner Japan Knigge für heilige Orte. Er erklärt die 10 Regeln, auf die es ankommt, den Unterschied zwischen buddhistischem Tempel und Shinto-Schrein und die Angewohnheiten, mit denen Touristen unangenehm auffallen.

Alle Regeln habe ich mit japanischen Quellen abgeglichen, vor allem mit dem Dachverband der Shinto-Schreine (Jinja Honcho) und der japanischen Tourismusbehörde. Wo sie sich widersprechen, schreibe ich es dazu.

Tempel oder Schrein? So erkennst du den Unterschied

In Japan gibt es zwei Arten von heiligen Orten, und sie gehören zu zwei verschiedenen Religionen. Schreine gehören zum Shinto, der ursprünglichen Religion Japans. Dort wohnen die Kami, Gottheiten oder Geister eines Ortes. Tempel sind buddhistisch, in ihnen stehen Buddha-Statuen.

Für Tempel und Schreine gelten nicht dieselben Verhaltensregeln. Deshalb lohnt sich ein kurzer Blick, wo du gerade stehst. Auf diese Merkmale achte ich:

Schrein (Shinto) Tempel (Buddhismus)
Tor Torii, oft leuchtend zinnoberrot Sanmon, ein großes hölzernes Torgebäude
Wächter Komainu (Löwenhunde), bei Inari-Schreinen Füchse Nio, zwei grimmige Muskelfiguren im Tor
Räucherwerk Keins Räucherstäbchen und großes Räuchergefäß
Gebet Verbeugen und klatschen Hände still falten, kein Klatschen
Was du siehst Die Gottheit wird nie gezeigt, die innere Halle bleibt verschlossen Buddha-Statuen, oft sichtbar
Name endet auf -jinja, -jingu, -taisha, -gu -ji, -dera, -in
Lebensereignisse Geburt, Hochzeit, Kinderfeste Beerdigung, Gräber, Ahnen
Beide haben Wasserbecken, Omikuji (Orakelzettel), Omamori (Glücksbringer), Goshuin

Falls dich das trotzdem verwirrt: Vielen Japanern geht es ähnlich. Über tausend Jahre lang waren Shinto und Buddhismus miteinander verwoben, Tempel und Schreine standen oft auf demselben Gelände. Erst 1868 hat die Meiji-Regierung beides offiziell getrennt. Deshalb entdeckst du bis heute kleine Schreine mitten in Tempelanlagen.

Verhaltensregeln im Schrein, Schritt für Schritt

Im Schrein gibt es die meisten Verhaltensregeln. Klingt nach viel, ist aber nach zwei, drei Besuchen Routine.

1. Vor dem Torii einmal verbeugen

Das Torii markiert die Grenze zwischen Alltag und dem heiligen Bereich der Kami. Der Jinja Honcho empfiehlt, sich vor dem Durchgehen einmal zu verbeugen, so wie beim Betreten des Hauses eines Menschen, den du schätzt. Beim Gehen drehst du dich noch einmal zum Schrein um und verbeugst dich wieder.

2. Nicht mitten durch, sondern etwas seitlich

Die Mitte des Weges gilt manchen als Pfad der Gottheit. Viele Besucher gehen deshalb leicht links oder rechts davon und nicken kurz, wenn sie die Mitte kreuzen. Der Jinja Honcho beschreibt das ausdrücklich als etwas, das viele Menschen tun, nicht als Pflicht.

Mir ist das früh aufgefallen: Kaum jemand läuft mittig durch ein Torii. Ermahnen würde dich niemand. Seitlich zu gehen fühlt sich trotzdem respektvoller an.

Verhaltensregeln Japan: Steinernes Torii am Kitano-Tenmangu-Schrein in Kyoto
Das Stein-Torii am Weg zum Kitano-Tenmangu-Schrein in Kyoto.

3. Reinigung am Wasserbecken (Temizuya)

Vor dem Gebet reinigst du am Temizuya, dem überdachten Wasserbecken am Eingang, Hände und Mund. Das ist die verkürzte Form einer rituellen Waschung. So geht es laut Jinja Honcho und japanischer Tourismusbehörde:

  1. Kelle mit der rechten Hand nehmen, Wasser schöpfen und über die linke Hand gießen.
  2. Kelle in die linke Hand wechseln und die rechte Hand abspülen.
  3. Zurückwechseln, etwas Wasser in die hohle linke Hand gießen und damit den Mund ausspülen. Die Kelle berührt nie die Lippen.
  4. Die linke Hand noch einmal abspülen.
  5. Kelle senkrecht halten, damit das restliche Wasser den Griff hinunterläuft, und zurücklegen.

Das Wasser spuckst du neben dem Becken aus, niemals zurück hinein. Viele Tempel haben ebenfalls ein Wasserbecken, dort läuft es genauso.

Reinigung der Hände mit der Kelle am Wasserbecken eines Schreins in Japan
Erst links, dann rechts, dann der Mund aus der hohlen Hand.

4. Zweimal verbeugen, zweimal klatschen, einmal verbeugen

An der Haupthalle wirfst du eine Münze in den Opferkasten und läutest die Glocke, falls es eine gibt. Die meisten Quellen nennen zuerst die Münze, einige zuerst die Glocke. Über die Reihenfolge musst du dir also keine Gedanken machen. Danach folgt das klassische Shinto-Gebet:

  1. Zweimal tief verbeugen, Rücken gerade, etwa 90 Grad.
  2. Hände auf Brusthöhe zusammenlegen, die rechten Fingerspitzen etwas nach unten schieben und zweimal klatschen.
  3. Hände zusammen lassen und still beten oder danken.
  4. Noch einmal tief verbeugen.

Manche Schreine haben ihre eigene Form. Am Izumo Taisha wird zum Beispiel viermal geklatscht. Der Jinja Honcho rät, in solchen Fällen der Art des Schreins zu folgen, und meist steht sie auf einem Schild.

Gerade dieses Gebet hat mich am Anfang fasziniert. Zwei kurze Klatscher in einem stillen Schrein klingen anders als alles, was ich vorher kannte.

Was im buddhistischen Tempel anders ist

Im Tempel sind die Verhaltensregeln schlichter und leiser. Es gibt kein Torii, niemand klatscht, und statt Verbeugen und Klatschen stehen Räucherstäbchen im Mittelpunkt. Gereinigt wird am Wasserbecken wie im Schrein, sofern es eins gibt.

Überdachtes Wasserbecken mit Bambusrohren am Kosho-ji-Tempel in Japan
Das Wasserbecken am Kosho-ji. Auch Tempel haben eins, und der Ablauf ist derselbe wie im Schrein.

5. Am Tempeltor verbeugen

Das Sanmon ist das große Holztor, oft mit den zwei grimmigen Nio-Wächtern links und rechts. Davor bleibst du kurz stehen, legst die Handflächen zusammen und verbeugst dich einmal. Beim Gehen drehst du dich zur Haupthalle um und verbeugst dich noch einmal. Die japanische Tourismusbehörde beschreibt genau das für die Tempel der Shikoku-Pilgerroute, und du siehst es bei Japanern in Tempeln im ganzen Land.

6. Räucherstäbchen auswedeln, nie auspusten

Räucherwerk ist eines der deutlichsten Zeichen, dass du in einem Tempel bist. In Shinto-Schreinen gibt es keins. Meist kannst du gegen eine kleine Spende ein Bündel kaufen, anzünden und in das große Räuchergefäß vor der Haupthalle stecken.

Die Flamme löschst du mit einer Handbewegung, nie mit dem Atem. In Tempeln wie dem Senso-ji in Tokio siehst du Menschen, die sich den Rauch zufächeln. Er soll Gesundheit bringen, und manche lenken ihn für mehr Weisheit an den Kopf.

7. Hände falten statt klatschen

Im Tempel wirfst du eine Münze in den Opferkasten, verbeugst dich leicht und betest mit vor der Brust zusammengelegten Handflächen. Diese Geste heißt Gassho. Geklatscht wird nicht.

Im Tempel zu klatschen ist einer der häufigsten Fehler von Erstbesuchern. Der Religionswissenschaftler Shimada Hiromi sieht das entspannt: Keine der beiden Formen stamme von Göttern oder Buddha, wichtig sei vor allem das aufrichtige Gebet. Im Tempel ist das stille Gassho trotzdem die übliche Form.

8. Schuhe aus, Fotos erst nach einem Blick auf die Schilder

Wenn du eine Tempelhalle betrittst, musst du oft die Schuhe ausziehen. Schuhe, die du schnell an- und ausbekommst, und ordentliche Socken sparen dir hier Nerven.

Auch fürs Fotografieren gibt es Verhaltensregeln. Auf dem Gelände darfst du meist fotografieren, in den Hallen und vor Statuen oft nicht. Achte auf Schilder. Im Zweifel fragst du nach oder lässt die Kamera in der Tasche.

Verhaltensregeln, die in jedem Tempel und Schrein gelten

Die letzten beiden Regeln gelten für alle Tempel und Schreine. Mit Religion haben sie wenig zu tun, es geht um Respekt vor einem Ort, an den Menschen zum Beten kommen.

9. Leise sein und anstellen

Hier sehe ich die meisten Probleme, fast immer in den Großstädten. Leute reden laut, drängeln sich am Opferkasten vor, statt zu warten, oder schauen die ganze Zeit aufs Handy statt auf den Ort selbst.

Japanische Besucher stellen sich geduldig an und treten nach dem Gebet zur Seite. Mach es genauso. Leg auch das Handy für eine Minute weg. Diese Orte sind viel beeindruckender, wenn du sie wirklich anschaust.

10. Nicht essen, nichts anfassen, Schilder beachten

Die Stadt Kyoto bittet Besucher ausdrücklich, in Tempeln und Schreinen nicht zu essen oder zu trinken und Fotoverbote zu respektieren. Fass keine Gebäude oder Statuen an, pflück keine Pflanzen und lass die Drohne zu Hause. Einen strengen Dresscode gibt es nicht, aber zieh dich an wie für jeden anderen Ort des Gebets.

Kurz-Checkliste: am Tor verbeugen, am Wasserbecken reinigen, nur im Schrein klatschen, Räucherstäbchen im Tempel auswedeln, Schuhe aus in Hallen, leise sein, Handy weg.

Goshuin, das Stempelbuch für Tempel und Schreine

Goshuin sind rote Siegel, die von Hand mit schwarzer Tusche beschriftet werden. Tempel und Schreine geben sie gegen eine kleine Gebühr aus. Ich habe ein eigenes Goshuin-Buch und inzwischen über 30 gesammelt. Jede Seite sieht anders aus, und das Durchblättern ist mein liebstes Souvenir jeder Reise.

Auch für Goshuin gibt es Verhaltensregeln. Ein Goshuin ist ein Beleg dafür, dass du gebetet hast, kein Touristenstempel. Erst beten, dann zum Schalter, und Geduld mitbringen, denn die Kalligrafie dauert. Der Weiterverkauf von Goshuin ist inzwischen so ein Problem, dass manche Schreine Sonderausgaben gestoppt haben.

Goshuin vom Yasaka-Schrein in Kyoto im Goshuin-Buch
Mein Goshuin vom Yasaka-Schrein in Kyoto. Darauf steht Gion-sha, so hieß der Schrein, bis Shinto und Buddhismus 1868 getrennt wurden.

Orte, die mir geblieben sind

Der Meiji-Schrein in Tokio ist einer, zu dem ich immer wieder gehe. Er liegt in einem dichten Wald direkt neben Harajuku, und beim Reingehen fühlt es sich an, als würdest du einen Dschungel betreten. Der Lärm der Stadt verschwindet, und das Ganze wirkt fast mystisch.

Auf dem Land ist jeder Besuch anders. Manche Tempel sind im Vergleich zur Großstadt völlig still, manche geheimnisvoll, andere schlicht riesig.

Am meisten fasziniert mich, wo man sie überall findet: auf halber Höhe eines Berges, am Ende eines Waldwegs, mitten im Nirgendwo. Mehr als einmal stand ich davor und habe mich gefragt, wie die das Baumaterial damals überhaupt da hochbekommen haben.

Einen meiner liebsten Schreine haben wir zufällig entdeckt. Wir sind durch Arita gelaufen, die Porzellanstadt in Saga, und standen plötzlich vor dem Tozan-Schrein. Sein Torii ist aus blau-weißem Porzellan, aufgestellt 1888 und heute ein eingetragenes Kulturgut.

Auch die Löwenhunde, die Laternen und ein großes Wassergefäß auf dem Gelände sind aus Porzellan, und quer über den Weg zum Schrein führen Bahngleise. Über Arita und sein Porzellan schreibe ich irgendwann einen eigenen Post, die Stadt hat ihn verdient.

Porzellan-Torii am Tozan-Schrein in Arita, Saga
Das Porzellan-Torii des Tozan-Schreins in Arita.

Über die Tempel bin ich auch zu meinem Lieblingsthema der japanischen Küche gekommen. Shojin Ryori, die buddhistische Tempelküche, ist komplett pflanzlich.

Ich habe in Kyoto einen Kochkurs gemacht, von dem ich in Shojin Ryori Japan erzähle. Eine Übernachtung im Tempel steht noch auf meiner Liste. Wenn es so weit ist, liest du hier davon.

Wenn du deine Reise rund um Tempel und Schreine planst, findest du in meiner Liste der veganen Restaurants in Kyoto gute Adressen für die Pausen dazwischen. Und falls du zum ersten Mal vegan durch Japan reist, fang mit Vegan in Japan: Was du vor der Reise wissen musst an.

FAQ

Muss ich im Tempel klatschen?

Nein. Klatschen gehört in den Schrein. Im buddhistischen Tempel betest du still mit gefalteten Händen. Wenn du aus Versehen klatschst, macht niemand ein Drama daraus, aber Gassho ist die übliche Form.

Darf ich als Tourist in Tempeln und Schreinen beten?

Ja. Alle sind willkommen, und du musst an nichts glauben, um die Rituale mitzumachen. Wer sie respektvoll ausführt, gilt als höflich, nicht als seltsam.

Ist es unhöflich, mitten durch ein Torii zu gehen?

Verboten ist es nicht. Die Mitte gilt aber traditionell als Weg der Gottheit, deshalb gehen die meisten leicht seitlich. Die Gewohnheit hast du schnell übernommen.

Darf ich in Tempeln und Schreinen fotografieren?

Draußen meist ja, in den Hallen oft nicht. Achte auf Schilder, fotografiere niemanden beim Beten und halte dich an Fotoverbote. Gerade Kyoto bittet Touristen ausdrücklich darum.

Gibt es einen Dresscode für Tempel in Japan?

Einen strengen Dresscode gibt es bei den Verhaltensregeln in Japan nicht. Zieh dich an wie für jeden Ort des Gebets und trag Schuhe, die du leicht ausziehen kannst.

Du musst nicht jeden Schritt perfekt beherrschen. Verbeug dich am Tor, bleib leise und schau, was die japanischen Besucher um dich herum machen. Meistens ist Nachmachen der beste Weg durch die Verhaltensregeln für Tempel und Schreine.