Pflanzliche Reisen durch Japan

Veganes Izakaya Tokyo: Masaka in Shibuya – und jetzt auch Kyoto

Das Vegan Izakaya Masaka in Shibuya ist Tokyos bekanntestes veganes Izakaya. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich zum ersten Mal die Treppe ins Untergeschoss des Shibuya PARCO hinuntergestiegen bin. Ich hatte genug Japan-Erfahrung um zu wissen, was mich normalerweise erwartet: irgendwo steckt Fischfond drin, und man merkt es meist erst hinterher. An diesem Abend zum ersten Mal nicht.

Jeder kennt das Dilemma. Man reist nach Japan, träumt von der Izakaya-Atmosphäre, dieser warmen, lautstarken Energie einer japanischen Kneipe, bei der man mit Freunden kleine Teller teilt, kalt trinkt und den Abend vergisst, und stellt dann fest, dass so gut wie alles mit Dashi, Bonito-Flocken oder irgendeinem versteckten Fischfond zubereitet wird. Für vegane Reisende ist Japan kulinarisch eine Liebeserklärung mit vielen Fußnoten.

Und dann: das Vegan Izakaya Masaka in Shibuya. „Masaka“ bedeutet auf Japanisch in etwa „Das gibt’s doch nicht!“ oder „Unmöglich!“, und genau das ist die Reaktion beim ersten Bissen.

Was ist ein veganes Izakaya in Japan?

Für alle, die noch nie in Japan waren: Ein Izakaya ist das japanische Äquivalent einer Gastropub. Kein Ort für ein förmliches Dinner, sondern für einen lauten, geselligen Abend mit Bier, Highball und kleinen geteilten Tellern. Das Konzept lebt von Gemeinschaft, Spontaneität, vom Bestellen ohne großen Plan.

Genau das macht es für Veganer traditionell so schwierig: Viele klassische Izakaya-Gerichte enthalten versteckten Fischfond, Bonito-Flocken oder Fleischbrühe. Masaka löst dieses Problem auf die direkteste Art: alles auf der Karte ist vegan. Kein Fragen, kein Erklären, kein Hoffen.

Masaka Vegan Teller mit Stäbchen auf rotem Tisch

Die Location: Shibuya, Untergeschoss

Versteckt im Untergeschoss des Shibuya PARCO, mitten in der sogenannten Chaos Kitchen, hat sich das Masaka zu einer der beliebtesten Adressen für pflanzliche japanische Küche in der Stadt entwickelt. Als ich die Treppe hinunterstieg, erwartete ich trendige Fusion-Küche. Stattdessen landete ich in einem Raum, der bewusst wie altes Japan aussieht: Metallhocker, kompakte Tische, brutzelnde Pfannen. Die Atmosphäre erinnert an ein Izakaya der Showa-Ära, und das ist genau der Punkt.

Etwa 20 Sitzplätze, täglich geöffnet von 12 bis 22 Uhr. Zu Stoßzeiten, vor allem freitagabends, kann die Warteschlange lang werden. Am besten besucht man das Masaka außerhalb der Stoßzeiten. Wer ohne Anstehen rein will, kommt idealerweise zwischen spätem Mittagessen und frühem Abendessen.

Speisekarten-Wand im Vegan Izakaya Masaka mit allen Gerichten und Preisen

Das Karaage: der Grund, warum alle kommen

Der unbestrittene Star der Karte ist das vegane Karaage: in knuspriger Tapiokamehl-Panade ausgebackenes Soja-Protein, das mit Textur und Aroma das Original täuschend echt imitiert. Wer einmal echtes Karaage in Japan gegessen hat, weiß, wie hoch die Messlatte liegt und wie selten vegane Versionen sie erreichen. Das Masaka schafft es.

Das Besondere: Die Sauce lässt sich wählen. Vegane Tartarsauce, Sichuan-Schärfe, geriebener Daikon, Teriyaki-Mayo, chinesischer schwarzer Essig, Frühlingszwiebel mit Zitrone oder Yuzu-Pfeffer-Mayo. Das macht den Tisch sofort zum Teilerlebnis und lädt zum Wiederkommen ein.

Der Rest der Karte: mehr als nur ein Trick

Das Karaage bringt die Leute rein, aber der Rest hält sie dort. Die veganen Gyoza sind unten knusprig gebraten, innen saftig, gefüllt mit Gemüse, Schnittlauch und Soja-Hackfleisch. Das Mapo-Tofu kommt heiß im Steinschälchen und liefert die betäubende Sichuan-Schärfe, die man von diesem Gericht erwartet.

Ein echter Geheimtipp und laut vielen Gästen mindestens genauso gut wie das Karaage: die frittierten Maitake-Pilze (舞茸). Saftige Pilze in einer würzigen Panade, schnell frittiert. Außen eine salzige, perfekt gewürzte Kruste, innen weich mit einem schönen Biss. Mehrere Gäste bezeichnen sie als absolutes Must-have. Ich würde das unterschreiben.

Dazu gibt es Shumai, Frühlingsrollen, Gurken in Ingweröl, Nikumiso-Bohnensprossen, Tempura-grüne Bohnen und weitere saisonal wechselnde Gerichte.

Mittag oder Abend?

Das Masaka funktioniert zu beiden Zeiten, aber es sind zwei verschiedene Erlebnisse.

Zur Mittagszeit gibt es Set-Menüs: Karaage, Gyoza, eine Kombination aus beidem oder Mapo-Tofu, jeweils mit Reis, Miso-Suppe und Tsukemono (japanischem Eingemachtem). Praktisch, günstig, sättigend. Wer auf Durchreise ist oder nur kurz Zeit hat, ist mittags gut aufgehoben.

Mittagsset im Masaka: Karaage mit Daikon, Gyoza, Reis und Misosuppe

Abends verwandelt sich das Lokal in das, was ein Izakaya eigentlich sein soll. Japanische Biere, Sake, Highballs und Lemon Sour fließen, während die kleinen Teller über den Tisch wandern und der Raum lauter wird. Man bestellt nach und nach, teilt alles, bleibt länger als geplant. Als ich dort war, hatte ich eigentlich noch einen Termin danach. Ich kam eine Stunde zu spät.

Bestellt wird per QR-Code am Tisch, es gibt auch ein englisches Menü.

Das vegane Izakaya in Kyoto: Masaka in einem traditionellen Machiya

Seit Dezember 2024 gibt es eine zweite Filiale in Shimogyo-ku, Kyoto. Wer beide besucht, merkt sofort den Unterschied: Das Kyoto-Masaka ist in einem traditionellen Stadthaus untergebracht, einem sogenannten Machiya, und verteilt die Gäste auf verschiedene Räume des umgebauten Hauses.

Die Lage ist etwas abseits der Touristenpfade, in einer Seitenstraße in Shimogyo-ku. Die Atmosphäre ist ruhiger als in Shibuya, weniger Chaos Kitchen, mehr stilles Stadthaus-Flair. Ein schöner Kontrast für alle, die beide Städte besuchen. Geöffnet ist sie Montag sowie Mittwoch bis Sonntag, jeweils 12 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr. Dienstags ist Ruhetag.

Für wen ist Masaka?

Das Restaurant ist vollständig pflanzlich: kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte, kein Honig. Der berühmte Fischfond-Fallstrick der japanischen Küche entfällt komplett. Hinweis für Glutensensible: Die Soja-Fleisch-Panaden und Sojasoßen enthalten Weizen, komplett glutenfrei ist es also nicht.

Aber Masaka ist kein reines Veganer-Lokal. Ob vegan oder nicht, das Essen ist einfach gut, und der Ort hat dieses typisch japanische Feeling, das man auf Reisen so oft sucht und selten in veganer Form findet.

Alles weitere zum veganen Reisen in Japan erklärt der Vegan-in-Japan-Guide. Für Einkäufe im Konbini gibt’s den Vegan-im-Konbini-Guide mit allen großen Ketten.

Praktische Infos

Tokyo (Hauptstandort)
Shibuya PARCO B1F, Chaos Kitchen | 15-1 Udagawacho, Shibuya-ku
Mo bis So, 12:00 bis 22:00 Uhr | @vegan_izakaya_masaka

Kyoto (seit Dezember 2024)
Shimogyo-ku, Kyoto | Mo und Mi bis So, 12:00 bis 14:00 Uhr und 17:00 bis 21:00 Uhr | Di Ruhetag