Japan ist nicht das einfachste Land für veganes Reisen. Das ist die ehrliche Wahrheit — und gleichzeitig der Grund, warum es das aufregendste ist.
Das klingt nach einem Widerspruch. Ist es aber nicht.
Das Versprechen
Japan bietet auf den ersten Blick unglaublich viel für pflanzlich lebende Reisende. Frisches Gemüse, Tofu in tausend Variationen, Reisgerichte, Onigiri, Edamame, Mochi, Tempura-Gemüse, Ramen mit klarer Brühe — die Liste ist lang. Supermärkte sind vollgepackt mit Produkten, die auf den ersten Blick perfekt vegan wirken. Und Konbinis — diese kleinen japanischen 24-Stunden-Läden, die gleichzeitig Supermarkt, Restaurant und Seele jedes Viertels sind — haben gefühlt tausend Dinge zu bieten.
Kurz: Man könnte denken, das ist einfach.
Das Problem
Und dann liest man die Zutatenliste. Oder versucht es zumindest.
Das japanische Schriftsystem besteht aus drei Systemen: Hiragana, Katakana und Kanji — chinesische Schriftzeichen, von denen es im Alltag tausende gibt. Für jemanden ohne Japanischkenntnisse sind Zutatenlisten auf Verpackungen schlicht unlesbar. Was im Deutschen als „Butterreinfett“ oder „Magermilchpulver“ klar als nicht-vegan erkennbar wäre, versteckt sich im Japanischen hinter Zeichen, die man nicht einordnen kann.
Und dann greift man zur Übersetzungs-App.
Google Lens kann Zutatenlisten fotografieren und übersetzen — und das ist tatsächlich oft hilfreich. Aber wer schon mal mitten im Konbini-Gang die Kamera auf eine winzige Verpackung gehalten hat und als Ergebnis „fermentiertes tierisches Würzmittelextrakt (Typ 3)“ bekommen hat, weiß: manchmal hilft es und manchmal macht es alles nur noch verwirrender. Gelegentlich spuckt die App auch einfach Nonsens aus, weil die Schrift zu klein, der Winkel falsch oder die Beleuchtung im Laden suboptimal ist. Dann steht man da, hält einen Snack in der Hand, und entscheidet nach Bauchgefühl.
Das passiert. Das ist okay. Und das ist übrigens auch mir passiert.
Die häufigste Falle: Dashi
Besonders tückisch ist Dashi. Das ist eine japanische Brühe aus Kombu-Algen und Katsuobushi — getrocknetem, fermentiertem Thunfisch. Dashi steckt in fast allem: in Miso-Suppe, in Saucen, in Reisgerichten, in Fertigprodukten. Es wird oft einfach als „Würzmittel“ deklariert und fällt damit komplett unter dem Radar. Wer Dashi beim ersten Japan-Besuch nicht kennt, ist schnell böse überrascht.
Ich war überrascht. Mehr als einmal.
Ein ehrliches Eingeständnis
Ich weiß nicht alles. Das sollte ich direkt klarstellen.
Ich war mehrfach in Japan, habe viel gelernt, viel recherchiert — und trotzdem bin ich in die eine oder andere Falle getappt. Habe etwas gegessen, von dem ich im Nachhinein festgestellt habe, dass es nicht vegan war. Manchmal aus Unwissen, manchmal weil die Kommunikation nicht geklappt hat, manchmal weil ich einfach hungrig war und gehofft habe, dass es schon passen wird. Spoiler: hat es nicht immer.
Das sage ich nicht um mich zu entschuldigen, sondern weil ich denke, dass Ehrlichkeit hier wichtig ist. Veganes Reisen in Japan ist ein Lernprozess — für mich war es das, und es wird es für viele von euch auch sein. Dieser Blog soll das einfacher machen, aber er ist kein Versprechen auf Fehlerfreiheit. Er ist eine Sammlung von Erfahrungen, Recherche und dem ehrlichen Versuch, besser zu werden.
Was dieser Blog ist
Genau dafür gibt es MochiMiles.
Ich will hier alles teilen, was ich gelernt habe — damit ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich, aber vor allem damit ihr wisst, wie viel Schönes es gibt wenn man weiß wo man suchen muss.
Das bedeutet konkret:
- Restaurantberichte aus verschiedenen Städten — von Tokyo bis Fukuoka, von Kanazawa bis Matsumoto. Mit Adresse, Karte und dem was ich tatsächlich bestellt habe.
- Konbini-Guide — welche Produkte bei 7-Eleven, FamilyMart und Lawson tatsächlich vegan sind, inklusive Bilder der Verpackung damit ihr sie im Laden wiederkennt.
- Offline-Karten — meine gespeicherten Restaurantkarten zum direkt Herunterladen, damit ihr auch ohne Internetverbindung wisst wo ihr hinlauft.
- Shojin Ryori — eine eigene Serie über Japans buddhistische Tempelküche, die komplett pflanzlich ist und zu den eindrücklichsten Essenserlebnissen gehört, die ich kenne.
- Praktische Tipps zur Kommunikation — ein paar japanische Sätze und wie man am besten erklärt was man nicht isst, auch ohne Japanischkenntnisse.
Apps die helfen
Für den Anfang noch ein praktischer Tipp: HappyCow funktioniert auch in Japan, auch wenn die Einträge manchmal lückenhaft sind. Google Lens kann Zutatenlisten fotografieren und übersetzen — nicht immer perfekt, aber gut genug für eine erste Einschätzung. Und wer tiefer graben will: die japanische App Vegewel kennt viele lokale Optionen, die auf HappyCow nicht auftauchen.
Kurz gesagt
Japan ist schwieriger als erwartet. Aber es ist auch schöner als erwartet. Und ich bin nach mehreren Reisen davon überzeugt, dass man dort als veganer Mensch fantastisch essen kann — man muss nur wissen wie, und bereit sein, auf dem Weg dorthin auch mal danebenzuliegen.
Genau das will MochiMiles zeigen. Willkommen.